Donnerstatg, 06. Dezember 2007
HEILBRONNER STIMME
Autor: Petra Halamoda
Orientalisches Kochbuch
als Resultat
Im Hause von Ursula Kanssoh-Gaufer fühlt sich der Besucher gleich willkommen. Abgesehen vom schönen Kater Camillo scheinen weitere bemerkenswerte Wesen die Hauptstraße 11 zu bevölkern: der Keiner Ichnet etwa. Schon am Türschild als Mitbewohner aufgeführt, hat ihn doch noch nie einer gesehen. „Besonders die Kinder nicht“, sagt die dreifache Mutter lachend. „Aber auf die Frage, wer etwas ausgefressen hat, kommt immer: Keiner. Ichnet.“
Gastfreundschaft wird groß geschrieben. Auf dem Tisch steht ein Teller Plätzchen. Elf Sorten stehlen sich darauf die Schau. „Gut kochen und gut essen, das ist wichtig,“ sagt die leidenschaftliche Zauberin am Herd, die mit einem Libanesen verheiratet war. Jetzt hat die 41-Jährige ein Kochbuch herausgebracht. Und weil aus dem Wohnzimmer arabische Rhythmen dringen, die Kanssoh-Gaufer direkt in Hüftschwung umsetzt, ist klar, was für eines: „Orientalisch kochen, märchenhaft essen“, heißt das Werk. 202 Seiten ist es dick.
FRAUENNABEL Voller exotischer Kost vom Fleisch mit Quitten bis hin zu Grießkuchen mit Sirup und einer Süßspeise namens „Frauennabel“. „Es wird viel Frisches verwendet“, sagt die gebürtige Ingelfingerin. „Für Europäer überraschend große Mengen an Gewürzen.“ Kreuzkümmel. Kardamom. Koriander. Zitrone spielt eine wichtige Rolle. Soßen haben eine suppenähnliche Konsistenz. „Insgesamt eine leichte und abwechslungsreiche Küche“, sagt Ursula Kanssoh-Gaufer. In dem Buch hat sie die Ergebnisse unzähliger Kochkurse verbraten, die sie im ganzen Unterland von Ilsfeld bis Jagsthausen in neun Jahren gegeben hat. „Ich habe die Teilnehmer alles ausprobieren lassen, um zu schauen, ob es auch dem schwäbischen Gaumen mundet.“ Einen Verlag zu finden, glich einem Kraftakt.
„Wenn man keinen Namen hat, muss man sich überall finanziell beteiligen. Das geht in die Tausende.“
KRÄUTERFRAU Schon früh kam die Genießerin auf den Geschmack, am Herd zu experimentieren. „Wenn andere Mädchen in der Stadt Klamotten kauften, bin ich durch die Feinkostgeschäfte gestreift, um asiatische Strohpilze zu suchen.“ Die entpuppten sich aber als herbe Enttäuschung, schmeckten sie doch haargenau wie Champignons. Chinesisch, indisch, türkisch, mexikanisch – für Ursula Kanssoh-Gaufer hat jede Küche ihren Reiz.
Dazu kommt ein Faible für die Kunst des Würzens. So tritt sie auch auf dem Wimpfener Weihnachtsmarkt als Kräuterfrau auf, bietet bei den Führungen in der Stauferstadt den Teilnehmern selbst Kreiertes.
„Nervenkekse“ nach Hildegard von Bingen etwa, „mit Butter, Mandeln, Zimt und Muskat“, die beruhigende Wirkung haben sollen. Oder einen Kräutertrunk nach einem Rezept der Äbtissin. „Zur Förderung der unkeuschen Begierde“, zitiert Kanssoh-Gaufer und schmunzelt. „Woher sie das wohl wusste?“
Bei soviel Schlemmerei schadet ein Tänzchen nichts – 1987 entdeckte die lebenslustige Frau mit den kastanienbraunen Haaren ihre Leidenschaft für Bauchtanz. Paillettenbesetzte Büstenhalter, schimmernde Tücher, die mit klirrenden Münzen verziert sind, und perlenbestickte Tanzkleider stapeln sich in der Schublade ihrer Kommode, aus der es herausglitzert wie aus Sindbads Schatztruhe. Auch hier gibt sie ihr Wissen seit Jahren bei Volkshochschulkursen weiter.
FISCHFILET MIT PISTAZIEN
(für vier Personen)
4 Fischfilets (je 150 g) in 2 verschlagenen Eiern wenden und in einer Mischung aus 100 g zerstoßenen Pistazien, 4 EL Semmelbröseln, Salz, Pfeffer, Zimt und 3 EL gehacktem Koriandergrün (ersatzweise Petersilie, dann etwas mehr) panieren.
Zwei Orangen mit einem scharfen Messer filetieren. Etwas Sonnenblumenöl in einer Pfanne erhitzen, die Fischfilets von beiden Seiten anbraten. Fisch herausnehmen, auf Tellern oder einer Platte anrichten. Bratfond mit 2 TL Orangensaft ablöschen. Die Orangenfilets zugeben, kurz aufköcheln, über Fischfilets verteilen. Dazu passen Basmati-Reis mit Mandeln und Pinien sowie ein Blattsalat. Ein feines Fischgericht für besondere und festliche Anlässe.
